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Pressemitteilung

Heute hat TenneT im Rahmen eines Planungsdialogs die Gemeinden, die Fachstellen des Landratsamts und die Bürgerinitiativen im Landkreis Bad Kissingen über das Verfahren zur Genehmigung der als P 43 bekannten Wechselstromtrasse von Mecklar über Dipperz nach Bergrheinfeld informiert. Hierbei hat TenneT erneut betont, dass diese inzwischen als „Fulda-Main-Leitung“ bezeichnete neue 380-kV-Höchstspannungsfreileitung zur Versorgung insbesondere der Ballungszentren in Bayern dringend benötigt würde. Für Landrat Thomas Bold ist es nicht nachvollziehbar, dass hierfür die Kapazitäten des SuedLink und des SuedOstLink nicht ausreichen sollen und eine Versorgung Bayerns angeblich nur mit der zusätzlichen Wechselstromtrasse von Dipperz nach Bergrheinfeld sichergestellt werden könne. „ Wenn dies stimmt, muss man sich schon fragen, ob bei der Planung der Milliarden-Projekte SuedLink und SuedOstLink alles mitbedacht wurde“, so Landrat Thomas Bold.

Hintergrund:

Im vergangenen Jahr hat sich Herr Staatsminister Aiwanger mit dem Bund und den Nachbarländern Hessen und Thüringen darauf verständigt, dass die Wechselstromleitung P 44 (von Altenfeld / Thüringen nach Grafenrheinfeld) samt Alternativen entfallen soll. Hiervon wäre der Landkreis Bad Kissingen nicht betroffen gewesen.

Die komplett durch Hessen verlaufende Alternative zur Wechselstromleitung P 43 (sogenannte P 43/mod von Mecklar über Dipperz nach Urberach im Rhein-Main-Gebiet) wurde von den Energieministern des Bundes und der Länder Bayern, Hessen sowie Thüringen ebenfalls verworfen.

Dagegen haben sich die Energieminister auf den Bau des Vorhabens P 43 mit einer zweisystemigen 380kV-Leitung von Mecklar über Dipperz nach Bergrheinfeld/West geeinigt.

Diese Neubaumaßnahme mit dem Arbeitstitel „Fulda-Main-Leitung“ wurde daraufhin im vergangenen Dezember im Netzentwicklungsplan 2030 bestätigt und soll in den nächsten Monaten vom Bundestag in das Bundesbedarfsplangesetz übernommen werden.

Der Landkreis Bad Kissingen wäre ebenso wie die benachbarten Landkreise Schweinfurt sowie Main-Spessart oder Rhön-Grabfeld von dieser Höchstspannungsfreileitung betroffen.

Der Bau der „Fulda-Main-Leitung“ (P 43) stellt eine nicht hinnehmbare Abkehr vom Eckpunktepapier dar, auf das sich die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD am 01. Juli 2015 zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende und für einen bürgerfreundlichen Netzausbau verständigt haben.

Zielvorgabe des Eckpunktepapiers war es, den Bereich Grafenrheinfeld / Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt als Einspeiseschwerpunkt und damit auch die benachbarten Landkreise, die von den Zuleitungen betroffen wären, zu entlasten. Hiernach war eine weitest gehende Entlastung des nach den bisherigen Szenarien und Netzentwicklungsplänen stark belasteten Netzknotenpunkts Grafenrheinfeld / Bergrheinfeld vorgesehen.

In dem Eckpunktepapier vom 01. Juli 2015 heißt es wörtlich:

„Um eine Entlastung der Region um Grafenrheinfeld zu erreichen, wird die Bundesnetzagentur im Netzentwicklungsplan 2024 die Übertragungsnetzbetreiber auffordern, Alternativen zu entwickeln, damit die beiden als Neubau geplanten Drehstrommaßnahmen Mecklar-Grafenrheinfeld und Altenfeld-Grafenrheinfeld entfallen können und stattdessen in Bestandstrassen mitgeführt und neue Endpunkte möglich werden.“

Der nunmehr in Aussicht gestellte Wegfall der P 44 greift vor diesem Hintergrund deutlich zu kurz. Inzwischen steht nämlich fest, dass die Vorzugsvariante des Trassenkorridors für den SuedLink mit der Stammstrecke die Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen durchqueren soll. Im Landkreis Bad Kissingen soll sich die Stammstrecke dann schließlich aufspalten. Die Leitung für das Vorhaben Nummer 4 führt dann weiter zum Endpunkt nach Bergrheinfeld/West, während die Leitung für das Vorhaben Nummer 3 nach Westen schwenkt und unsere Region zum Endpunkt in Großgartach (Baden-Württemberg) durchquert.

Der Landkreis Bad Kissingen und die benachbarten Landkreise sind also bereits vom SuedLink, mit dem der überschüssige Strom aus dem Norden in die Ballungszentren im Süden transportiert werden soll, massiv betroffen.

Es ist davon auszugehen, dass eine Versorgung Bayerns mit dem Strom, der über das Vorhaben Nummer 4 des SuedLink zur Weiterverteilung in Bergrheinfeld/West ankommt, sowie mit dem über den SuedOstLink gelieferten Strom sichergestellt werden kann. Gegebenenfalls können – was ja beim SuedOstLink bereits geplant ist, die Übertragungskapazitäten zur Versorgung Bayerns entsprechend erhöht werden.

Das Vorhaben Nummer 3 des SuedLink wird dagegen über die Stammstrecke durch unsere Region bis kurz vor Bergrheinfeld/West geführt, obwohl das Ziel und die Abnehmer des Stroms in Baden-Württemberg liegen. Die Region wird also zugunsten einer möglichst langen Stammstrecke bereits mit einer Leitung belastet, die dann deutlich weiter westlich in Baden-Württemberg zur dortigen Versorgung endet.

Soweit nun angeführt wird, die „Fulda-Main-Leitung“ (P 43) sei erforderlich, um die Stromversorgung im Süden sicher zu stellen, erscheint dies angesichts des SuedLink und des SuedOstLink nicht nachvollziehbar.

Vielmehr dient die „Fulda-Main-Leitung“ (P 43) in erster Linie der Versorgung des Rhein-Main-Gebiets. Der Strom, der über die „Fulda-Main-Leitung“ (P 43) in Bergrheinfeld/West ankommt, soll von dort aus weiter Richtung Großkrotzenburg (Hessen) geleitet werden. Vor diesem Hintergrund ist der Umweg über Dipperz nach Bergrheinfeld/West und dann weiter nach Großkrotzenburg weder nachvollziehbar noch hinnehmbar. Dadurch würde die Region mit einer Neubau- und vermutlich einer weiteren Netzausbaumaßnahme belastet werden, obwohl der direkte Weg von Dipperz nach Urberach (Rhein-Main-Gebiet) möglich ist. Hier gibt es bereits eine Leitung, die in bestehender Trasse verstärkt werden könnte. Diese Variante, die sogenannte P 43/mod, ist netztechnisch gleichwertig und würde ohne zusätzliche Belastung unserer Region den Strom direkt in das Zielgebiet Rhein-Main bringen.

Der Neubau einer zweisystemigen 380kV-Leitung mit durchschnittlich 65 Meter hohen Masten würde einen massiven Eingriff in Natur und Landschaft insbesondere im Landschaftsschutzgebiet Bayerische Rhön bedeuten. Bislang konnte das „Land der offenen Fernen“ mit seinen natur- und artenschutzrechtlich sensiblen Bereichen erhalten werden.

Es wäre deshalb auch völlig widersinnig, die angesichts der Erdverkabelung verbesserte Akzeptanz für den SuedLink durch ein quer durch die Region verlaufendes Freileitungsprojekt P 43 zu gefährden. Die Ankündigung, die P 43 „so weit wie möglich“ als Erdkabel umzusetzen, ist unverbindlich. Zudem ist die Erdverkabelung einer Wechselstromleitung nach bisherigem Stand der Technik nur für sehr kurze Abschnitte von 3 – 6 Kilometern und mit einem hohen zusätzlichen Aufwand (Kabelübergangsanlagen zwischen Freileitung und Erdkabel) möglich. Daher ist es nicht realistisch, Eingriffe in das sensible Landschaftsbild der Rhön auf diese Weise vermeiden zu können.

Der Landkreis Schweinfurt mit dem Netzknoten ist bereits jetzt durch zahlreiche Stromleitungen aller Spannungsebenen betroffen. Durch den Bau der Gleichstromleitung SuedLink mit der großen Konverterhalle kommen weitere Belastungen hinzu, insbesondere da sich die Gabelung der SuedLink-Stammstrecke kurz vor Eintritt in den Landkreis Schweinfurt befindet, wird dieser ebenso wie der Landkreis Bad Kissingen dann von zwei Leitungen des SuedLinks durchkreuzt. Auch der Landkreis Main-Spessart wird durch die Gabelung des SuedLinks Richtung Baden-Württemberg stark betroffen sein.

Insgesamt ist vor dem geschilderten Hintergrund die Behauptung der Übertragungsnetzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur, wonach für einen bedarfsgerechten Ausbau des Stromnetzes weitere Wechselstromleitungen mit Endpunkten in Grafenrheinfeld / Bergrheinfeld notwendig seien, nicht nachvollziehbar. Die Ziele sind auch mit anderen netztechnischen Maßnahmen wie der Erhöhung der Übertragungsleistung vorhandener Leitungen oder sonstigen Optimierungs- und Verstärkungsmaßnahmen am vorhandenen Netz erreichbar.

Der Neubau einer Leitung in neuer Trasse kann als Ergebnis einer gerechten Interessenabwägung und aus Gründen der Verhältnismäßigkeit nur das letzte Mittel sein. Zuvor ist auf transparente Weise nachzuweisen, dass sämtliche anderen Möglichkeiten ausscheiden.

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